Segeln

VEREINIGUNG DER CLUBFREIEN SKIPPER - the free skipper union -

Moderator: Masti

Re: Segeln

Neuer Beitragvon Masti » 19. Januar 2011, 19:06

Ein richtig interessanter Bericht .Ich freue mich jeden Tag , wenn es eine Fortsetzung gibt .

Am meisten gespannt bin ich ja mal auf die Endreaktion der "Weitaus besseren Hälfte " bezüglich des Segelns , auch wenn
das hier in einer sehr "spezifischen" Form stattfand.

Bitte weitermachen !

VG Jürgen
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Masti
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Gen Afrika

Neuer Beitragvon s.Bubi » 24. Januar 2011, 20:49

Gen Afrika

Der afrikanische Kontinent ist ja nicht allzu weit entfernt und sonnenverbrannt wie wir waren, bot es sich an, an statt zu baden einen kleinen Segeltörn Richtung Afrika zu unternehmen um die Praxis des Kreuzens zu erlernen. Morgens um 4.30 war Wecken und um 5.00 flatterte die Fock gepaart mit dem Besan im Wind.
Bedeckter Himmel mit Wind von 4 BF aus Ost-Nord-Ost, 2m alte Atlantikdünung waren eigentlich beste Voraussetzungen, um bei einem Kurs von 114 Grad nach 8-9 Stunden Tarfaya im Süden von Marokko gelegen, am Horizont zu erwarten.
Laut unserem Skipper ein ziemlich verrufener kleiner Ort, der für Europäer nicht unbedingt empfehlenswert sein soll, da mindestens die Hälfte dessen, was dort gehandelt werde, einem Europäer in seinem Heimatland Jahre an gesiebter Luft einbringen könnte.
Nach etwa 3 Stunden frischte es auf 5 BF auf und der Wind drehte leicht auf Ost, wodurch wir um Kurs halten zu können, mit kreuzen begannen, eigentlich kein Hindernis, wir sprachen ja im Vorfeld bereits darüber, aber dadurch würde sich die Ankunft auf die Nachtstunden verzögern und des Skippers Heim sollte in den Sandbänken vor Tarfaya nicht gefährdet werden.
Ergo vollzogen wir nach 6 Stunden und 22 SM eine 180 Grad Wende und nahmen Kurs auf Gran Tarajal.
So mit achterlichem Wind ist es nicht ganz einfach Kurs zu halten, das Boot läuft ständig aus dem Ruder und die ebenfalls jetzt achterlich anlaufenden Wellen verursachten zusätzlich eine ordentliche Schaukelei.
Wie man bei dem Wetter und ausgerechnet jetzt, die einzige warme Mittagsmahlzeit der vergangenen Tage zubereiten musste, werde ich nie verstehen. Einfach bewundernswert, dass bei dem heißen Wasser und dem siedenden Olivenöl nichts passiert ist, obwohl, geklappert hat es ordentlich und hin und wieder, wenn ein spanischer Schrei aus der Kombüse erklang, griff mir der Skipper mit einem: WEG DA, in seiner freundlichen Art, beherzt ins Ruder.
Auf dem letzten Teil des Törns brachten wir Fock und Genua aus und fuhren im Schmetterling unserem Ziel entgegen.
Schon von weitem konnte man sehen, vor Gran Tarajal ist ordentlich Betrieb, also Fock und Genua reffen und mit dem Großsegel im 2 Reff langsam näher.
Bestimmt 100 Boote, aller Sorten, Größen und Varianten waren versammelt, vom Ruderboot mit Außenborder zum Fischerboot über den Schoner bis hin zur Fähre alles war versammelt, auch das was keinen Namen hatte, wobei ein Boot im Pulk eine 4 m hohe, aufrechte schwarze Puppe auf dem Vordeck montiert hatte. Der ganze Verband führte Manöver bis zu 2 km vor die Küste, zurück, nach Steuerbord, zurück, die Hafeneinfahrt querend und wieder raus aufs Wasser in annähernd geschlossener Weise aus.
Wie das ja immer so ist, plötzlich waren wir mit unserem Segelchen mitten drin, also Motor anwerfen, ach so, da war ja noch was. Trotz des vielen Gehupes, zweier Beinahekollisionen gelang es unserem Skipper nach dem Entlüften, den Motor zum Leben zu erwecken und uns ins Abseits zu manövrieren, bis der Trubel abgeklungen war.
So ankerten wir in der Bucht links der Hafeneinfahrt zwischen all den anderen Booten, die im voll belegten Hafen ebenfalls keinen Platz mehr fanden. Mehrere Boote kamen längsseits und redeten teils leise, teils laut, manche konnten auch schon nicht mehr richtig reden, mit unserem Skipper oder auf ihn ein und klärten das ganze dabei auf.
Es war der Tag der schwarzen Jungfrau. Das Mädel soll wohl vor 500 Jahren auf einem Baumstamm von Afrika her, treibend vor Gran Tarajal aus dem Wasser gefischt worden sein. Im Nachhinein betrachtet, muss es wohl eine ganze Flotte Baumstämme gewesen sein, weil jeder größere Ort auf den Canaren zu verschiedenen Zeiten das gleiche Ereignis für sich selbst beansprucht. Ich möchte auch, nach dem ich die spanischen Fischer kennengelernt habe, bezweifeln, dass das Mädchen noch Jungfrau war als es an Land kam, jedenfalls sind selbst Kirchen auf den Canaren nach diesem Vorfall benannt.

Um uns herum wurde ein Feuerwerk abgebrannt, es wurde gefeiert, gelacht, getrunken, geschunkelt, gegessen, gebadet und noch weitere ge- , während wir mehrmals unseren Anker lichteten, zwischen den anderen Booten umhergondelten, um einen Platz für die Nacht zu finden, an dem der Anker in den immer noch 1Meter Wellen, bei dem weichen Sand, halten würde. Hier war die gesamte Besatzung gefordert, der Skipper am Ruder, ich im Motorraum am Entlüften, Renate und Leif Steuer-, bzw Backbord im Ausguck und Frau Kapitänin an der Kette des Ankers.
Naja, irgendwann wird alles gut, meist dann, wenn der Skipper auch zufrieden ist und so ließen wir drei Urlauber den Abend bei Whisky und einem schwäbischen Kartenspiel am Klapptisch im Cockpit enden.
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Re: Segeln

Neuer Beitragvon Bernd » 24. Januar 2011, 22:11

kay, du bist begnadet im schreiben ... und schöne bilder wieder, weiter ... (schicke mütze, woher kenn ich die nur ?) :vdcs: :vdcs: :vdcs: :vdcs: :vdcs:
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Costa Calma

Neuer Beitragvon s.Bubi » 6. Februar 2011, 13:09

Der Morgen zieht sich dröge dahin, keiner kommt so recht in Fahrt, die eine Hälfte pennt noch und die andere Hälfte gammelt an Deck.
Mein Lieblingskomandant beschäftigt sich eingehend mit seiner windgesteuerten Selbststeueranlage, Leine da verlegen, dort einkürzen und hier verlängern. Jedenfalls lässt dies ein fachliches Gespräch zu, in dem man am Rande erfährt, dass das gute Stück dazu da ist, ihn auf der Fahrt zu den Cap Verden im Anschluss an unseren Törn zu entlasten. Leider ist das gebraucht gekaufte Teil kräftemässig dem großen Boot weit unterlegen, oder bei größerer Untersetzung wird der selbststeuerbare Ausgleichskurs auf einen Winkel von lediglich +- 10 Grad reduziert, was das Boot ständig aus dem Ruder laufen lässt.
Die am Boot vorhandene originale Windsteueranlage hat er vor Jahren mal verscherbelt, um sich damit für ein halbes Jahr am Leben zu erhalten. Den Vorschlag ein größeres Steuerblatt einzubauen setzte er sofort um, in dem er den Teil einer Schranktürfüllung ausbaute und das Windruder doppelt so groß wie das alte, mit der Laubsäge ausschnitt. Naja, kein Mensch braucht auf einem Boot zu viele Schranktüren und ob es schön ist, dass die kaputten Schwimmwesten hinter einer Türe verschwinden oder ab jetzt nicht mehr , mag im Auge des Betrachters liegen.
Während dessen erinnerte ich mich dunkel daran, in einer Schublade noch einen Rest Teflonband gesehen zu haben, womit ich mich aufmachte, den Motorraum nach dem Leck am Motor zu erkunden.
Ich hatte da so eine grobe Vermutung wo die Leckstelle zu finden sei, derentwegen der Motor ständig Luft zog. Letztendlich lag es an der Entwässerungsschraube des Wasserabscheiders, Ja, das Gewinde ist schon ewig ausgeleiert. Gott sei Dank ging der Ärger über den Verbrauch von 10 cm Teflonband unter, in seiner Freude, über das fertiggestellte Windruder, so dass ich lediglich mit einem Vortrag über sinnvollen Materialverbrauch und dessen immensen Kosten, davon kam.
Die sich anschließende Inbetriebnahme der Windsteueranlage, mit erneutem Kurs auf Afrika, wieder zurück und anschließendem Entlangschippern an der Küste Fuerteventuras, weiter Richtung Süden, gestaltete sich als voller Erfolg. Erstmalig stieg die Stimmung an Bord seit unserer Ankunft dauerhaft über den Gefrierpunkt.
Unser Käpten hüpfte vor Freuden wie ein Derwisch auf und ab, einige kleine Verbesserungen hier und dort, das Boot lag immer voll auf Kurs. Die Selbststeuereigenschaften in einem Winkel von +- 35 Grad zum Hauptkurs waren, egal bei welchem Windeinfall, immer gegeben.
Dumm nur, dass diese provisorischen Versuche, über die Notpinnensteuerung durch die geöffnete achterliche Kabinenluke vorgenommen wurden.
Man glaubt nicht, wenn man es nicht selbst erfährt, wie viel Wasser durch so eine verhältnismäßig kleine Luke von 80 x 80 cm, bei zwei über Bord kommenden Brechern ins Boot laufen kann. Aber, Klamotten,Bücher und Bettzeug trocknete der Wind, die Bilgenpumpen beförderten das Wasser ausserbords und bei der Gelegenheit baute er dann gleich die bereits vorhandene Lukendurchführung für die Notsteuerpinne fest ein. Da sich das Luk dadurch nicht mehr öffnen lies, dürften die zukünftigen Nächte in der Achterkabine schön warm werden, aber egal, es traf ja nur Frau und Tochter.

Gegen Abend ankerten wir in dem glasklaren Wasser vor Costa Calma. Es hat uns den gesamten Urlaub immer wieder erstaunt, wie sauber und klar das Wasser des Atlantiks vor den Inseln der Kanaren ist, selbst in der Nähe von Ortschaften, selbst dort wo die langen Rohre ins Meer gehen.
Costa Calma, mit seinem makellosen tief gelben Sandstrand.
Da wir uns noch die Beine vertreten wollten, wurde das Schlauchi klar gemacht und es ging mit der mittlerweile bereits vertrauten Prozedur des Boot aufpumpens zum Strand. Etwas abseits, des von Menschenmassen belagerten Strandteils wurden die Kids als Bootswache eingeteilt, Renate und ich machten uns auf den Weg Costa Calma zu erkunden, unser Skipper ging seine eigenen Wege, während seine Frau sich um die achterliche Kajüte an Bord kümmerte.
Costa Calma ist ein recht junges Dorf, mit den obligatorischen Bettenburgen am Dorfrand. Der Ort selbst ist im Gegensatz zum Rest der Insel erstaunlicherweise bemerkenswert grün, es gibt Parks, Palmenwäldchen, in den Vorgärten grünt und blüht es und die Gegend hinterließ einen insgesamt sehr sauberen und frischen Eindruck bei uns. Zu bemerken ist noch, dass dort viel deutsch gesprochen wird, der Ort ist wohl fest in deutscher Hand.
Endlich,
endlich konnte man auch mal was essen, einen Schnitzelriesen mit Pommes und Salat und zwar im Deutschen Cafe, dazu ein anständiges eiskaltes Bier und zum Nachtisch noch zwei.
Gut genährt, noch besser gelaunt, mit einer frisch erstandenen Buddel Whisky im Handgepäck , machten wir uns auf den Rückweg, um die beiden Kids bei der Schlauchbootwache abzulösen. Ich drückte Leif und der Kleinen jeweils 10,-€ in die Hand, mit der Auflage sich etwas zu essen zu kaufen, in der stillen Hoffnung, die Kleine würde feststellen, dass es noch anderes gibt, als das übergesunde Bordessen. Der stille, vorwurfsvolle Blick unseres, danach, mittlerweile ebenfalls am Schlauchi angelangten Skippers, als er seine Tochter mit einer Riesenportion Döner näher kommen sah, sprach Bände, was mich ob des gelungenen Einfalls, diebisch freute, wobei wir alle samt, mehr als verwundert waren, was alles in so ein kleines Kind reingehen kann.
Seine überschäumende Lebensfreude, als Resultat der heutigen Erfolge, konnte dieser Tiefschlag jedoch nicht trüben, weshalb wir alle sechs gemeinsam einen netten Bordabend verlebten. Eventuell lag es aber auch daran, dass sich unser Urlaub, mit den noch verbleibenden 3 Tagen rapide dem Ende entgegen neigte und ein jeder, aus seiner Warte, vielleicht, diesem freudigen Ereignis entgegen lechzte. Andererseits versprach der morgige Wetterbericht für die geplante Überfahrt nach Gran Canaria, mit Wind in Böen bis 9 BF wenig gutes und so waren wir noch bereits in dieser Nacht im Internet, auf der Suche nach Eventualflugverbindungen, zurück in die Heimat
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s.Bubi
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